Jeder Recruiter oder Verantwortliche, der während seines Berufslebens mit CVs in Kontakt kommt, bewertet Lebensläufe unterschiedlich. Genauso wenig kann man einen Bausatz für einen perfekten CV anbieten, denn es gibt kein Schema F. Eine Erkenntnis mein bisherigen Berufslebens ist: Egal ob mittel- oder senior-Level-Positionen, bei CVs kocht jeder nur mit Wasser! Worauf wird bei der Auswahl von CVs wert gelegt? Ein paar Punkte auf die ich achte sind die Folgenden:

Auf was ich achte

  • Erfahrungen: Wenn ich einen CV betrachte, möchte ich als erstes die letzten Positionen sehen – um daraus ableiten zu können – warum diese Person sich für eine neue Position interessiert? Ist die Person arbeitssuchend? Arbeitet sie erst ein paar Monate vor Ort? Gibt es genug Erfahrungen für die angebotene Vakanz?
  • Allgemeiner Eindruck: Ist es ein konsequenter (zwischendurch vielleicht ein Side-Step) Karriereweg? Ist die Verantwortung von Position zu Position gewachsen? Passen die gewonnenen Verantwortungen zu dem was ich suche?
  • Lücken: Lücken im CV sind nicht schlimm, wenn man diese schlüssig erläutern kann. Das ist allgemeine Redensart! Allerdings ist dies von Branche zu Branche, von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist meine Erfahrung, dass ein Sabbatjahr oder eine versuchte Selbständigkeit inklusive Scheitern et cetera eher negativ bei der Bewertung ausgelegt wird.
  • Schlüsselwörter: Hat der Bewerber die Erfahrungen im CV stehen, nach denen ich suche? Wie schon in einem früheren Beitrag erwähnt, wenn gewisse Schlagwörter nicht vorkommen, hat der CV nur halben Wert!
  • Aufmachung: Ich habe immer wieder Fälle von Bewerbern, die einen sauber getippten CV besitzen, diesen einscannen und dann als PDF bzw. als Grafik mir zukommen lassen. Macht das Sinn? Ein schön strukturierter CV in PDF-Form ist viel angenehmer. CVs werden heute in aller Regel digital gescreent und sollten hierfür – für eine gute Lesbarkeit am Bildschirm – aufbereitet werden.

Was ich teilweise vernachlässige

  • Ausbildung: Findet nur bei gewissen Positionen Beachtung (F&E oder anderen technischen Positionen). Bei den gehobenen Positionen ist die Ausbildung nicht mehr so relevant, sondern die Berufserfahrung. Erfahrung ist Trumpf! Aber auch hier ist es von Branche zu Branche, von Firma zu Firma unterschiedlich.
  • Persönliche Daten: Was mir gänzlich egal ist, ist der Familienstand, Geburtsort, Kinder und Bewerberphoto. Wenn ich wissen möchte, wie der Kandidat aussieht, werfe ich GOOGLE an.
  • Anschreiben: Anschreiben sind nett und hilfreich, aber wenn man sich über eine Personalberatung für eine Vakanz bewirbt meist sinnlos. Das für Research Consultant Relevante steht im Lebenslauf. Ist dieser interessant, folgt meist ein Telefonat wo alle Details hervorgehen.
  • Formatierung: Man muss sich für seinen CV nicht künstlerisch-kreativ verwirklichen. Research Consultants oder HRler hantieren mit hunderten CVs und können die Arbeit, welche in die Aufmachung gesteckt wird nicht würdigen. Wichtig ist, dass die Bewerbung online erfolgt. Bei großen Unternehmen werden CVs über ein Trackingsystem automatisch zerlegt und analysiert, weshalb wenig Grafiken verwendet werden sollten.

Was ich mir wünsche

  • Persönliche Note im Lebenslauf: Falls es zu einem Gespräch kommt, kann man persönliche Noten gut als Gesprächsaufhänger nutzen und gibt einem Interview die Chance sich aus seiner „Starrheit“ (Smalltalk -> Interview -> Schluss) zu lösen. Warum nicht auch mal etwas Amüsantes in den CV? Ich zum Beispiel mag Pudding!
  • URLs: URLs zu weiterführenden Projekten oder Profilen im Netz, die einen Besuch lohnenswert machen.

Was aufhören sollte

  • Das Verwenden von Standardtemplates
  • Das Schreiben von CVs in der ersten Person
  • Selbstüberschätzung, das heißt seine eigenen Fähigkeiten zu bewerten
  • Übertreibungen beim Titel und Verantwortung
  • Ein Lebensmotto auf dem CV